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Anleitung: Laustärkepotis richtig reinigen



benedikt2 offline
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Betreff: Anleitung: Laustärkepotis richtig reinigen  -  Gepostet: 18.02.2007 - 13:38 Uhr  -  
Hersteller:
Typenbezeichnung:
Chassi:

Vorhandene Messgeräte: Keine
Schaltplan vorhanden: Nein
Dein Wissensstand: Einsteiger

Fehlerbeschreibung und Nachricht:
Kratz-Poti’s instand setzen

[size=150]Problematik:[/size]

-Kratzen, ächzen und knallen beim langsamen drehen des Lautstärkepotis, Balanceregler, Klangregler oder der Quellenumschaltung bei einem Verstärker.

[size=150]Feststellung des Fehlers:[/size]
-Man schalte den Verstärker aus und drehe langsam!!! Ein paar mal das Poti zu seinen beiden Anschlägen.
Hierbei muss man sehr feinfühlig vorgehen; Sollte bei einer bestimmten Stellung das Poti sehr schwergängig werden, bitte nicht weiterdrehen, sondern sofort sehr langsam zurückdrehen.
Es kann sein, dass der Schleifer die Kohlebahnen ‚abträgt’ => unwiderrufliche Zerstörung
(exotische Werte, Bauformen, oder gar gelagerte Potis sind heute fast unmöglich zu bekommen, also hier bitte die dementsprechende Vorsicht walten lassen!)

Funktionierte das langsame drehen, kann man den Verstärker wieder einschalten und akustisch überprüfen, ob sich Besserung eingestellt hat.

Falls ja, kann mit der Reinigung begonnen werden
Falls nein, kann man das Poti trotzdem reinigen, allerdings stehen die Chancen schlechter
=> besser nach einem neuen umschauen!

[size=150]VOR ÖFFNEN DES GERÄTES NETZSTECKER ZIEHEN[/size]

[size=150]Ausbau des Potis:[/size]

Zuerst vergewissert man sich nochmals, ob auch wirklich der Netzstecker gezogen ist!

Jetzt stellt man erstmal fest, wie der Lautstärkereglerknopf am Poti befestigt ist:
-gesteckt
-geschraubt
-geklebt

bei gesteckten Knöpfen ist das sehr einfach: Gerät festhalten und Knopf langsam und gleichmäßig abziehen

bei geschraubten Knöpfen wird das ganze schon schwieriger:
Zuerst muss die Schraube gefunden werden; meist ist es eine kleine Madenschraube, die entweder seitlich am Knopf oder direkt an der Achse verschraubt ist

Bei geklebten Knöpfen kommen wir beinahe an den Rand des Unmöglichen:
-Aber nur beinahe: Man nehme sich den nächst greifbaren Fön und erwärme vorsichtig!!!! die nicht sichtbare Seite und die Achse des Knopfes.
Meist lässt sich so, nach einigen Minuten, der Knopf abziehen!

Ist erstmal der Knopf ab, hat man das Poti schon halb ausgebaut!
Jetzt löst man die obligatorische Zentriermutter, mit der das Poti in der Gehäusefront gehalten wird….
Jetzt kann man meist die Steckverbinder am Poti abziehen, oder diese, wenn gelötet, ablöten!
(Bitte Position markieren oder merken!!!)

Nun hat man den kleinen „Kratzgeist“ in der Hand!

Aber was machen?

Als erstes schaut man sich nach „Sprühlöchern“ um. Damit sind kleine Öffnungen, bzw. schlitze im Gehäuse des Potis gemeint!
Ist das Poti geschlossen, kann man es versuchen zu öffnen; empfehlen würde ich es aber niemand(außer er ist von Berufswegen Chirurg)

Nun kommen die benötigten Chemiekeulen zum Einsatz:

-Kontaktspray z.B.(Kontakt 60)
-Schmierspray z.B.(LS-Lubricant)
-Reiniger Spiritus / Isopropanol
-kriechöl z.B. (WD40)
-Schmierfett z.B. Molykote

Jetzt müssen wir feststellen, ob wir ein gelagertes Poti vor uns haben. Das erkennt man daran, dass es direkt an der Achse ein gefettetes Lager besitzt.
Da aber das gelagerte Poti nicht allzu geläufig ist, kann man in den meisten fällen davon ausgehen, dass man ein „normales“ Poti vor sich hat.

-gelagertes Poti:
Lager mit Kriechöl behandeln und altes fett erwärmen und entfernen
Gründlichst!! Reinigen! (Spiritusbad)
Danach Prozedur wie beim ungelagerten Poti durchführen, aber anschließend die Lager neu fetten!

-ungelagertes Poti:
- In die Sprühlöcher nicht zu sparsam Kontaktspray sprühen, aber das Poti nicht darin „baden“
Durch langsames Drehen bis zu den Anschlägen das Kontaktspray gut darin verteilen und ein paar Minuten einwirken lassen!
Jetzt wieder etwas Kontaktspray einsprühen und erneut drehen….
Nach einer erneuten kurzen Wartezeit, MUSS das Poti sehr sehr gründlich gereinigt werden! (Ohne Reinigung könnten die Schleiferbahnen schaden nehmen)
Sprich : Spiritusbad!

Nach der Reinigung muss das Poti längere Zeit abtrocknen. Mit einem Fön und gering dosierter Heißluft kann man die Trocknungsphase deutlich verkürzen.

Erst wenn man sich wirklich sicher ist, dass das Poti „trocken“ ist, kann man es wieder durch die Spühlöcher mit Schmierspray behandeln.
Ein paar Drehungen des Potis verteilen das Schmierspray gut auf den Schleiferbahnen und schützen sie.
Hier gilt auch wieder der Lehrsatz:“ Weniger ist mehr“
Also bitte keine „Badungen“ durchführen.

Jetzt kann das Poti wieder eingebaut werden und es hält fürs nächste Jahrzehnt!

[size=150]Poti-typen:[/size]

Standard(0815)-Lautstärkepoti in Stereoausführung: (Gut zu erkennen sind die Sprühlöcher)

Geöffnetes Poti (Innenansicht)

Poti in Schiebeausführung:

Mehrgang Getriebepoti:

Kugelgelagertes Poti (Industrieausführung)
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Bertl100 offline
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Betreff: Re: Anleitung: Laustärkepotis richtig reinigen  -  Gepostet: 18.02.2007 - 15:08 Uhr  -  
Hallo Bendikt!
ein schöner beitrag! gefällt mir!

noch eine frage: viele potis in verstärkern (speziell ls-potis) haben an einer speziellen stelle (meist vorn gleich wo die achse reingeht) ein spezialfett drin, das das drehen so "wertig" erscheinen läßt, sondern halt bedämpft.
weißt du zufällig, was ist denn das für zeug ist? nach dem reinigen von potis ist ja dieser dämpfungseffekt häufig weg.

Gruß
Bernhard
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benedikt2 offline
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Betreff: Re: Anleitung: Laustärkepotis richtig reinigen  -  Gepostet: 18.02.2007 - 18:33 Uhr  -  
Hallo Bertl,
ja stimmt das hatte ich garnicht bedacht.

Dieses Fett ist mir auch schon oft aufgefallen, es hat die ungefähre Konsistenz von sehr zähflüssigem Honig.

Meines Wissens nach müsste es eine Art Wälzlagerfett sein und sollte sicher im Sortiment von Molykote zu finden sein. (Die haben für jeden Zweck ein, oder mehrere Fette ;) )

Bei einer ehemaligen Reparatur habe ich ein schonmal gereinigtes Poti gefunden. Um die Achse und auch im Potikörper war sehr stark haftendes Wählerfett (Vaseline) verteilt. Der Friktionseffekt war zwar nicht hervorragend , aber spürbar.

Sollte ich erfahren, wie sich dieses Fett von Molykote nennt, gebe ich das natürlich gerne Preis.

EDIT:
Es sollte auch ein "Optikfett" gehen. Das ist weniger zum schmieren, sondern eher zum haften geeignet, allerdings scheint niemand zu wissen, wo es sowas zu bekommen gibt ;(

Ansonsten sollte ein nicht elektrisch leitendes Haftfett funktionieren, besser wird es wohl sein, mal bei Molykote anzufragen!
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benedikt2 offline
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Betreff: Re: Anleitung: Laustärkepotis richtig reinigen  -  Gepostet: 22.02.2007 - 22:19 Uhr  -  
So, von Molykote ist eine Antwort gekommen!

Da der Servicemitarbeiter 'vor einem nicht alltäglichen' Problem stand,
mir aber trotzdem super weiterhalf, empfahl er folgendes:

Ein dickflüssiges Silikonöl ( Fluid 200) (in gewünschter Viskosität)

Ich allerdings würde ein stark haftendes Silikonfett nehmen.
...mal sehen was es da alles gibt.....
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Gerald offline
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Betreff: Re: Anleitung: Laustärkepotis richtig reinigen  -  Gepostet: 23.02.2007 - 07:06 Uhr  -  
Sticky (Nun ist es im Forum oben festgenagelt)
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KurzschlußThomas offline
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Betreff: Re: Anleitung: Laustärkepotis richtig reinigen  -  Gepostet: 09.03.2007 - 16:49 Uhr  -  
Hallo Leute,

sehr guter Beitrag und bis auf einen Hinweiß absolut richtig!

Der Hinweiß des Molykote Mitarbeiters ist richtig.
Alles andere bringt nichts, wenn man eine dämpfung auf Dauer erzielen möchte.

Silikonspray haftet nicht dauerhaft im gegensatz zu Silokonöl, daß zudem in verschiedenen Vi9skositäten geliefert werden kann und auch mischbar ist.

Übrigens handhabe ich es so, daß ich Kontakt 60 sehr sparsam, dafür lieber öfter anwende und erst, wenn ich mit dem Ergebniss zufrieden bin Reiniger einsetze.

Das geht auch bei ausgebautem Poti ganz gut.
Man muß nur ein Ohmmeter oder einen niederohmigen Durchgangsprüfer an das Poti per Krokoklemmen hängen und nach jedem einsprühen und den Drehorgien auf das Messgerät und dessen Zeiger/Digitalanzeige achten und die Sprünge der jeweiligen Anzeige beachten.

Springt nichts mehr, ist man in der Regel auf der sauberen Seite.
Beim Durchgangsprüfer ändert sich der Ton, bzw. bei denen mit Diode die Helligkeit und so kann man entweder auch sehen, ob noch "Sprünge" zu hören sind, oder eben die helligkeit der Diode ändert sich erkennbar so, daß keine helligkeits Sprünge zu erkennen sind.

Das heißt, die Anzeige am Analogohmmeter/Multimeter wandert gleichmäßig beim drehen des Potis von links nach rechts oder ja nach ausführung des Potis in umgekehrte Richtung.
Beim digitalen Messgerät muß man aufpassen, hier hüpfen schnell die Zahlen, weshalb ich persöhnlich für messungen an Bausteinen von Audiogeräten das analoge messzeug bevorzuge.
Da denkt man schnell, es ist noch eine schmutzige Stelle im Poti, obwohl da nichts mehr ist.

Beim Durchgangsprüfer ist einfach auf gleichmäßiges auf- bzw. abschwellen des Summers, bzw. der Diode zu achten.

Gruß Thomas
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