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Netzteilschäden verhindern?

loppy
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Netzteilschäden verhindern?

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Gepostet: 05.01.2004 - 07:43 Uhr  ·  #1
Hallo Leute,

bin froh dieses Board (eher zufällig) gefunden zu haben, in der Hoffnung, dass auch ein ambitionierter Nicht-Elektroniker seine vielleicht unbedarftere Frage beantwortet bekommt.

Kleine Historie zur Überschrift dieses Threads:

Vor etlichen Jahren (PC 486er Zeiten) hat es mir einmal nach einer Überspannung im häuslichen Stromnetz so ziemlich böse einige Geräte zersemmelt, als das waren:

- externes Modem (war noch im Gewährleistungszeitraum, Hersteller sagte: Fremdverschulden, weil Überspannungsschaden)

- VLB-Karte im PC defekt

- Videorekorder (Netzteil defekt, mein damaliger Nachbar konnte dies als Fachmann reparieren, erzählte mir etwas von durchgeschmorten Elkos)

Nun war ich durch diese Aussagen zur vermeintlichen Ursache stutzig geworden, weil ich an den jeweiligen Netzsteckdosen immer noch einen Überspannungsfilter sitzen hatte.

Fragte ich mich: Taugen die Dinger aus dem Baumarkt für ca. 15 DMs nicht?

Mir liess das keine Ruhe, also öffnete ich mal solch einen (von Knopp) und sah darin einzig einen Varistor (oder heissen diese Bauteile Varisator?).

Wenn ich das richtig verstehe macht ein Varistor ja nichts anderes als ab einer bestimmten Spannung einen Kurzschluss herzustellen, sodass dann der FI ansprechen soll. Soll! War im meinem oben genannten Fall nicht so.

Also nahm ich an, dass es sich bei diesen in den Knopp-Überspannungsfiltern aus dem Baumarkt verbauten Varistoren um falsch dimensionierte handelt.

Jahre später bin ich umgezogen und habe mir vor dem Einräumen der Möbel die Mühe gemacht in sämtliche Steckdosen Varistoren einzubauen.

Darauf steht die Bezeichnung:

$05
K250

Dieses K250 heisst wohl, dass ab einer Spannung von 250 ACV der Varistor den Kurzschluss herstellt.
Welche Reaktionszeit dies Ding hat ist mir nicht bekannt.

Soweit erstmal die Herleitung zum eigentlichen Punkt.

Rund 8 Jahre hatte ich Null Problem, alles OK.

Vor einigen Wochen gab es in unserem Stadtgebiet seitens Energieversorger kompletten Stromausfall.
Ganze Supermärkte bangten um ihre Tiefkühlware, die Kunden wurden aus den düsteren Ladenlokalen geleitet.

Bei mir zu Hause war auch alles stromlos, inkl. eines an einer mit vorbeschriebenem Varistor ausgerüsteten Steckdose angeschlossenen Videorekorders Panasonic NV F75EG. Ein teures Gerät.

Als dann nach rund 3 Stunden überall wieder Spannung anlag, ich sämtliche Uhren neu gestellt hatte, wollte ich auch die am VCR stellen.
Jedoch war das Display dunkelt. Der VCR liess sich nicht einschalten, die im eigenen Netzteil sitzenden Glassicherungen sind OK.

Vermute jetzt mal, dass das Netzteil einen Defekt hat.

Nun wäre es denkbar, dass dies Netzteil auch ohne den vorangegangenen Stromausfall hops gegangen wäre.

Meine Überlegung geht aber auch in die Richtung, dass evtl. der von mir in die Steckdose eingebaute Varistor nicht sensibel genug reagiert hat, Überspannung durch den Stromversorger bei Wiedereinspeisung des Haushaltsstrom vorrausgesetzt.

Im Internet nach Tips und Rat suchend las ich häufiger von Netzteilausfällen an VCRs. Allerdings unklar ob infolge solcher möglichen Überspannungen.

Nun endlich meine Frage:

Welchen wirkungsvollen Überspannungsschutz kann man einsetzen?

Ich wünschte mir eine Möglichkeit die genauso wirksam wie kostengünstig ist, aber ohne im Dunkeln zu sitzen :D

Würde mich über verständliche Antwort freuen.



kleiner Nachtrag zum Board:

Kann mein Profil nicht ändern. Die Boardsoft geht in den DB-Debug und wirft mich raus sobald ich mein geändertes Profil absenden möchte.
Passiert unabhängig vom genutzten Browser (IE, Opera, Mozilla).
Luke
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Re: Netzteilschäden verhindern?

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Gepostet: 05.01.2004 - 11:12 Uhr  ·  #2
Hallo,

Oh oh wenn Du hier mal nicht verschiedene Dinge durcheinander bringst.

Erst einmal ist das Thema Schutz gegen Überspannungen infolge atmosphärischer Einwirkungen in der DIN VDE 0100 § 18 und Teil 443 beschrieben.

Weiter zu beachten sind die Festlegungen aus der DIN VDE 0110 Isolationskoordination in Niederspannungsanlagen und

DIN VDE 0185 Blitzschutzanlagen und

DIN VDE 0675 Teil 6 Überspannungsschutzgeräte, Überspannsableiter in Wechselspannungsnetzen mit Nennspannungen von 100V bis 1000 V und

DIN VDE 0845 Schutz von Fernmeldeanlagen gegen Blitzeinwirkung, Teil 1 + 2


Dies soll kein Paragraphenreiten werden aber schon mal ein Hinweis das ein wirkungsvoller Schutz nicht zum Nulltarif zu erhalten ist. Nur die fachgerechte Zusammenstellung der Einzelmaßnahmen bringt einen einigermaßen Schutz. Wobei immer zu bedenken ist, dass Naturgewalten durch den Menschen nie zu 100 % zu beherrschen ist.

Jetzt aber zu Deinem konkreten Fall: Der Einbau nur des Varistors in der Steckdose halte ich für gefährlich und es verstößt auch gegen die VDE 0100 Teil 443/ 4.87, da die Prinzipdarstellung eines Überspannungsableiters immer aus Abtrennvorrichtung Funkenstrecke und Spannungsabhängiger Widerstand bestehen muss. Diese Reihenschaltung der Bauteile wirkt wie folgt:
Die Funkenstrecke wirkt im Normalbetrieb als Isolator zwischen Netzspannung und Erdpotential. Beim Auftreten einer für die Verbraucheranlage gefährlichen Überspannung spricht die Funkenstrecke an und der Spannungsabhängige Widerstand wird niederohmig. Die Folge ist, dass ein Stoßstrom zur Erde abfließen kann und in der Verbraucheranlage nur noch eine geringe Restspannung auftritt. Nach dem Stromstoß löscht die Funkenstrecke und wirkt als Abtrennvorrichtung.

Die Geschwindigkeit der Ableitung ist auch abhängig von den verwendeten Bauelementen und der Schaltungskombinationen.
- Gasgefüllte Überspannungsableiter innerhalb einiger Mikrosekunden
- Varistoren, je nach Aufbau, im Nanosekundenbereich
- Zener Dioden auch im Nasosekundenbereich
- Supressor Dioden im Pikosekundenbreich


Aber wie gesagt auf die Beschaltung und Ausführung kommt es an.

So ist als Minimalforderung sicherlich eine Kombination aus VDE o675 mit VDE 0845 auszuführen. Das heißt: Überspannungsableiter direkt in der Hauptverteilung (Ableiter mit Schnappbefestigung) mit möglichst kurzen Erdungsweg. Wobei darauf zu achten ist, dass im HAK die Ausführung dieser Arbeiten unterschiedlich im TN und TT Netz auszuführen ist.

Für den Schutz direkt vor Ort des entsprechenden Gerätes setzt man nach VDE 0845 Überspannungsschutzgeräte ein! Dies ist eine Kombination aus Varistoren, Zener Dioden, Netzstörfiltern, Funkenstrecken, Abtrennvorrichtung und eine der geforderten Ansprechzeit entsprechenden Kombination dieser Bauteile.

Ich glaube jetzt wird schon deutlich das ein wirkungsvoller Schutz schon ein wenig aufwändiger ist als die Billiglösung aus dem Baumarkt.

Also wenn man hier wirklich etwas tun will, würde ich mich an Deiner Stelle wirklich von einem Fachmann beraten lassen.

Jetz nur noch kurz zu Deiner Aussage, Zitat „Wenn ich das richtig verstehe macht ein Varistor ja nichts anderes als ab einer bestimmten Spannung einen Kurzschluss herzustellen, sodass dann der FI ansprechen soll. Soll! War im meinem oben genannten Fall nicht so.“

Bei einem Kurzschluss löst niemals ein FI aus sondern immer nur bei einem Erdschluss! Der FI ist ein Differenzstrom Schutzorgan. Somit keine Auslösung bei Kurzschluss. Dafür ist die Sicherung zuständig. Die Überspannung soll aber auch gegen Erde abgeleitet werden wie schon erwähnt.


Ja ich hoffe das bringt ein wenig Übersicht und evtl. die Erkenntnis das Qualität schon immer ihren Preis hatte auch im Zeitalter von „ich bin doch nicht blöd“ :D
Alde
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Re: Netzteilschäden verhindern?

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Gepostet: 09.01.2004 - 09:26 Uhr  ·  #3
Und noch ein Nachschlag:

Vermutlich sind diverse Elcos im Netzteil Deines Videorecorders taub.
Ist ne bekannte Fehlererscheinung bei Panasonic/Grundig Videos.

Nach Netzttrennung keine Funktion - meist Elco Kapazitätsverlust.

ach Luke - starker Vortrag !

Alde
loppy
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Re: Netzteilschäden verhindern?

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Gepostet: 11.01.2004 - 02:27 Uhr  ·  #4
Erstmal Danke für die Antworten, aber @Luke, hättest mich nicht mit VDE`s, DIN`s erschlagen brauchen.
Habe mit diesem Wahnsinn schon genug in meinem Fach zu tun 😉

Wenn ich das so recht verstehe, taugen diese Baumarkt-Überspannungsfilter rein garnichts, ausser, dass daran verdient wird.

Auch nicht, wenn man darin (vom Prinzip ist solch ein Varistor in der Steckdose selbst ja auch nix anderes) einen empfindlicheren Varistor einbaut?

DAS war im Prinzip meine Frage.

Hat sich aber nun erledigt.

Zitat
Vermutlich sind diverse Elcos im Netzteil Deines Videorecorders taub.
Ist ne bekannte Fehlererscheinung bei Panasonic/Grundig Videos.


Ja, das habe ich befürchtet. Habe meinen defekten Panasonic schweren Herzens an jemanden hoffentlich ausreichend Fachkundigen für `nen Appel und ein Ei verkauft.
Einfach verschrotten wollte ich auch nicht.

Habe jetzt günstig einen Blaupunkt RTV745 ergattert.
Langt für meine Zwecke.
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